Mineralöle kommen in der Umwelt des Menschen in vielen Bereichen vor, z.B. wurden sie bereits in zahlreichen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Reis, Nudeln, Schokolade und Speiseöle nachgewiesen, sind aber auch in Verpackungen, Kinderspielzeug, Futtermitteln und kosmetischen Mitteln zu finden.

Mineralöle können in zwei Fraktionen bzw. Verbindungsklassen unterteilt werden, in Aliphate (MOSH - Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) und in Aromaten (MOAH - Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons).

Je nach Kettenlänge und Viskosität können die MOSH in Organen des menschlichen Körpers angereichert werden, einige Fraktionen gelten laut der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als besorgniserregend (EFSA Journal 2012; 10(6):2704).

Aufgrund der Vielzahl möglicher MOAH‑Verbindungen und unüberschaubarer Eintragswege, die zur Diversifizierung der MOAH‑Verbindungen beitragen, ist eine abschließende toxikologische Bewertung dieser Verbindungsklasse in Lebensmitteln derzeit nicht möglich. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist bei den MOAH nicht auszuschließen, dass sich in dieser Fraktion kanzerogene Substanzen befinden (Stellungnahme Nr. 008/2010 des BfR). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fordert für die MOAH in Lebensmitteln daher größtmögliche Minimierung (ALARA-Prinzip: As Low As Reasonably Achievable“, deutsch: so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar). Nur die unbeabsichtigte Anwesenheit kleiner Mengen, die sich aus Verunreinigungen, dem Herstellungsprozess, der Lagerung etc. ergibt und die bei guter Herstellungspraxis technisch nicht zu vermeiden ist, soll erlaubt sein. Die Auffassung des BfR wird auch von der EFSA geteilt (EFSA Journal 2012;10(6):2704).

Ende 2011 wurde die technisch anspruchsvolle Mineralöl-Analytik im CVUA-MEL etabliert, wo sie seitdem zentral für NRW angeboten und mittels LC-GC/FID-Kopplung durchgeführt wird. Mit diesem Verfahren werden zwei Trennmethoden miteinander kombiniert, wodurch eine sehr hohe Trennleistung erreicht wird.

Die anschließende Quantifizierung der Aliphaten und Aromaten erfolgt mittels Flammenionisationsdetektion (FID).

Diese Analytik allein kann jedoch einige komplexe analytische Fragestellungen nicht abschließend klären. So ist es z.B. zur gesundheitlichen Bewertung von Mineral­ölbefunden in kosmetischen Mitteln, bei denen eine orale Exposition vorhersehbar ist (z.B. Lippenkosmetika und Babykosmetika), erforderlich, zwischen der Anzahl der kondensierten Aromatenringe zu unterscheiden. Derzeit wird diskutiert, dass vorrangig 3-Ring- und höherkondensierte Ringsysteme als kritisch anzusehen sind. Sehr wahrscheinlich werden die kondensierten Mehrringsysteme nämlich durch das Cytochrom P450 aktiviert und in toxikologisch bedenkliche Reaktionsprodukte umgewandelt - analog den PAKs. Gesundheitliche Risiken sind bei oraler Exposition nach derzeitigem Kenntnisstand nur dann nicht zu erwarten, wenn hochraffinierte Mineralöle eingesetzt werden, für die eine täglich tolerierbare Aufnahmemenge (ADI: Acceptable Daily Intake) abgeleitet wurde bzw. wenn diese Mineralölfraktionen für Lebensmittel zugelassen sind (Aktualisierte Stellungnahme Nr. 008/2018 des BfR vom 27. Februar 2018*). Vor diesem Hintergrund wurde zusätzlich eine zweidimensionale GCxGC-Analytik etabliert, mit der die Anzahl der kondensierten Aromaten unterschieden werden kann.

Bei vielen Lebensmitteln ist erfreulicherweise in den letzten Jahren ein deutlicher Rückgang der Mineralölbelastung zu verzeichnen. Ein wesentlicher Grund hierfür wird darin gesehen, dass bei den Verpackungen vermehrt mineralölfreie Materialien sowie schützende, für Mineralöl undurchlässige Verpackungs-Barrieren verwendet werden. Die vom BfR geforderte größtmögliche Minimierung wird auf diese Art und Weise umgesetzt. Hohe Mineralölgehalte werden allerdings weiterhin in Lebens­mitteln aus Drittländern nachgewiesen, wie zum Beispiel Basmatireis, der in Indien abgepackt wurde